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Legionäre, Maultiere und ein Adler

Das LWL Römermuseum startete mit der „Rekrutierung von neuen Soldaten“ in die diesjährige Saison. In Rom wurden die waffenfähigen Männer im März zu den Legionen gerufen, wenn die Feldzüge begannen. In Aliso wartete die 19. Legion auf Verstärkung aus Rom. Am 31. März feierten alle den Geburtstage des Legionsadlers.  Hunderte Besucher nahmen am Wochenende an den spektakulären Open-Air-Vorführungen teil. 

 

“Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Diese Aussage hätte von den alten Römern stammen können. Hab und Gut wurde zu einem Päckchen verschnürt, an einen Stab gebunden und über der Schulter getragen. Man braucht nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, wie mühsam ein Marsch mit solchem Gepäck war, noch dazu in offenen Sandalen und voller Rüstung. Maultiere waren zwar auch als Lasttiere im Einsatz, aber ihre persönliche Habe mussten die Rekruten selbst tragen auf ihrem beschwerlichen Weg von Rom ins ferne Aliso. Dort nämlich warteten die Truppen auf Nachschub. In Haltern angekommen bauten sie ihr Lager auf, lernten sie das Exerzieren und alles weitere, was ein römischer Legionär draufhaben musste.

 

Vom beschwerlichen aber auch aufregenden und spannenden Leben der alten Römer in Haltern konnten sich die zahlreichen Zuschauer am Sonntag auf dem Gelände des Römermuseums ein sehr lebendiges Bild machen. In originalgetreuen, historischen Kostümen betraten Legionäre, Rekruten, Köchinnen und Weberinnen aus dem alten Rom den Schauplatz vor dem Westtor und ließen die Zeit von vor 2000 Jahren noch einmal auferstehen. Dabei konnten die Zuschauer einiges lernen und vieles auch selbst ausprobieren. Zum Beispiel wie viel Fingerspitzengefühl es braucht, eine Handspindel so drehen zu lassen, dass dabei ein vernünftiger Faden entsteht, aus dem später wärmende Winterkleidung hergestellt werden konnte. Oder auch wie viel Arbeit es macht, das Mehl für ein Brot erst einmal mit einem Mahlstein zu mahlen. Im Zelt gab es Workshops für Kinder, in denen sie unter fachkundiger, römischer Anleitung Lorbeerkränze und metallene Namensschilder mit römischen Schriftzeichen anfertigen konnten. 
 
Vom rekonstruierten Westtor und vom Galeerenschiff Victoria aus hatten die Besucher einen guten Überblick über das Geschehen. Während junge Männer sich am wärmenden Feuer vor den Zelten beim Würfelspiels vergnügten, mussten andere vor den strengen Augen der Ausbilder beweisen, dass sie das Ausheben und Bauen von Schutzwällen erlernt hatten und mit der Waffe vernünftig umgehen konnten. Besonders in den Bann gezogen aber wurden vor allem die Kinder von den beiden Maultieren, die nach dem beschwerlichen Marsch von Rom nach Haltern bei einem großen Fuder Heu ihren wohlverdienten Feierabend genießen durften.